Feuchträume fliesen
Wer Feuchträume fliest, entscheidet vor der ersten Fliese über Erfolg oder Bauschaden: Abdichtung, Dichtband und Grundierung bestimmen, ob Bad und Dusche dauerhaft dicht bleiben. Die Fliese selbst ist nur die sichtbare Schutzschicht – dicht wird der Raum darunter.

Warum Fliesen allein nicht dicht sind
Ein weit verbreiteter Irrtum: Fliesen plus Fugenmörtel ergeben eine wasserdichte Fläche. Tatsächlich ist der Belag nur wasserabweisend – über Zementfugen, Haarrisse und Anschlussfugen wandert Feuchtigkeit langsam in den Untergrund. Bei gemauerten und verputzten Wänden dauert es Jahre, bis das auffällt. Bei Trockenbauwänden geht es deutlich schneller.
Auch die grünen Feuchtraumplatten aus dem Trockenbau sind entgegen der landläufigen Meinung nicht wasserdicht, sondern lediglich imprägniert für Räume mit erhöhter Luftfeuchte. Im direkten Spritzwasserbereich – in der gesamten Dusche und oberhalb von Wanne und Waschtisch – brauchen sie zwingend eine Abdichtung unter den Fliesen. Wie die Wände selbst entstehen, beschreibt der Bereich Trockenbau.
Wo abgedichtet werden muss
Maßgeblich ist die Abdichtungsnorm DIN 18534. Sie teilt Innenräume nach der Wassereinwirkung in Klassen ein – von gering beanspruchten Wandflächen bis zu gewerblichen Duschanlagen. Für die Praxis im Privatbad heißt das:
- Duschbereich: Wände mindestens bis 20 cm über die Brausehöhe, seitlich rund 30 cm über den Duschbereich hinaus.
- Wannenbereich: die angrenzenden Wandflächen im Spritzwasserbereich.
- Boden: in Bad und Dusche vollflächig, inklusive Aufkantung an den Wänden.
- Waschtisch: die Wandfläche hinter und neben dem Becken.
Auf empfindlichen Untergründen wie Gipsplatten ist die Verbundabdichtung im gesamten Nassbereich Pflicht, auf zementären Untergründen ist sie günstige Versicherung. Der Aufwand liegt bei wenigen Stunden – ein Wasserschaden hinter der Fliesenwand kostet ein Vielfaches.
Der Aufbau der Abdichtung, Schritt für Schritt
- Untergrund vorbereiten: Die Flächen müssen eben, trocken, staub- und fettfrei sein. Saugende Untergründe grundieren – die Grundierung verfestigt den Untergrund und verbessert die Haftung.
- Dichtband einarbeiten: In alle Ecken, Wand-Boden-Anschlüsse und Bewegungsfugen kommt Dichtband. Es wird in die frisch aufgetragene Dichtmasse eingebettet und mit Pinsel oder Spachtel angedrückt. Das Band verhindert Risse, wenn der Untergrund arbeitet.
- Manschetten setzen: Rohrdurchführungen an Armaturen und Abfluss erhalten Dichtmanschetten, ebenfalls eingebettet in die Dichtmasse.
- Flächen abdichten: Streich- oder rollbare Dichtmasse (oft „Flüssigfolie“ genannt) in mindestens zwei Aufträgen kreuzweise aufbringen. Die Herstellerangaben zu Schichtdicke und Trockenzeit zwischen den Aufträgen genau einhalten.
- Durchtrocknen lassen: Erst wenn die Abdichtung vollständig getrocknet ist, wird gefliest – mit Flexkleber, mehr dazu im Beitrag Fliesenkleber.
Verschnitt und Planung
Planen Sie je nach Fliesengröße und Raumzuschnitt ausreichend Verschnitt ein – das ist reiner Abfall durch Zuschnitte, fehlerhafte Fliesen kommen noch dazu. Bei kleinen Formaten wie 15 × 20 cm hält sich der Verschnitt in Grenzen, große Formate in verwinkelten Räumen brauchen mehr Reserve. Konkrete Prozentwerte und weitere Kniffe – vom Aufheben der Abschnitte bis zum Umgang mit Fliesenkreuzen – sammelt der Beitrag Fliesen: Tipps & Tricks. Nicht angebrochene Kartons nehmen viele Händler zurück – lieber einen Karton zu viel kaufen als am Ende eine abweichende Charge nachbestellen.
Denken Sie in der Planungsphase auch an alles, was vor den Fliesen erledigt sein muss: neue Fenster oder Türen, Wasser- und Elektroinstallationen. Sind die Fliesen erst an der Wand, ärgert man sich doppelt über jedes vergessene Kabel. Für Arbeiten an Gas-, Wasser- und Elektroleitungen gilt dabei ohne Ausnahme: Das ist Sache des Fachbetriebs.
Wie es nach der Abdichtung weitergeht, zeigt die Schritt-für-Schritt-Anleitung Bad fliesen. Und weil alle Anschluss- und Eckfugen elastisch bleiben müssen, gehört am Ende der Beitrag Silikonfuge herstellen dazu.