Bau im Netz Praxiswissen für Bauen, Ausbauen und Renovieren

Fachbücher

Wer größer baut, Angebote prüfen oder Mängel sauber benennen will, stößt mit Heimwerkerliteratur an Grenzen. Fachbücher und Regelwerke sind das Handwerkszeug der Profis – und wer die richtigen kennt, plant und prüft auf Augenhöhe mit dem Handwerker.

Wozu Fachliteratur, wenn man nicht vom Fach ist?

Handwerker haben ihre Lehrbücher meist noch im Schrank, Selbstständige ihre eingeführten Standardwerke. Für ambitionierte Heimwerker und Bauherren lohnt sich Fachliteratur aus drei Gründen: Sie liefert die verbindlichen Maße und Konstruktionsregeln, auf die sich auch der Profi berufen muss; sie hilft, Angebote und ausgeführte Arbeiten fachlich einzuordnen; und im Streitfall zählt, was die anerkannten Regeln der Technik sagen – nicht, was im Forum stand. Gute Fachbücher sind teurer als Heimwerkerliteratur, richtig kostspielig wird es bei Werken mit Regelwerks- und Kommentarteil. Dafür halten sie fachlich Jahre – solange der Normstand aktuell bleibt.

Standardwerke nach Gewerk

Trockenbau

Der Trockenbau Atlas ist das Referenzwerk der Branche: ein Überblick über die wesentlichen Einsatzmöglichkeiten von Trockenbausystemen und eine Entscheidungshilfe für die Wahl der richtigen Konstruktion und ihren fachgerechten, dauerhaften Einbau – von Schall- und Brandschutz bis zu Anschlussdetails. Für schnelle Antworten auf der Baustelle gibt es den kompakteren Ableger, den wir unter Buchtipps vorstellen.

Fliesen und Platten

Die „Bautechnik für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger" ist das klassische Lehrbuch der Ausbildung: alle Lernfelder des Berufs, mit Anleitungen zum Zeichnen und Rechnen, vielen Beispielen und den wichtigen Tabellen im Anhang. Wer verstehen will, warum der Fliesenleger etwas so macht, wie er es macht, findet hier die Systematik hinter der Praxis. Daneben nennt die Branche das „Handbuch für das Fliesengewerbe – Technik" als umfassendes Regelwerk des Gewerks. Ein Spezialfall mit großem Nutzen für Bauherren ist der VOB/C-Kommentar zu Fliesen- und Plattenarbeiten sowie Estricharbeiten: Er erläutert die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen – darunter die ATV DIN 18299 für Bauarbeiten jeder Art, die ATV DIN 18352 für Fliesen- und Plattenarbeiten und die ATV DIN 18353 für Estricharbeiten – also genau die Texte, nach denen Bauleistungen ausgeschrieben, ausgeführt und abgerechnet werden.

Maler und Lackierer

Aus der Ausbildungsliteratur haben sich zwei Werke bewährt: „Maler/-in und Lackierer/-in", aufgebaut nach handlungsorientierten Kundenaufträgen über alle Ausbildungsjahre und Fachrichtungen, sowie „Grund- und Fachkenntnisse für Maler und Lackierer" mit Merksätzen, Aufgaben und Projekten. Beide vermitteln das Fundament – Untergründe, Beschichtungsstoffe, Arbeitsfolgen – deutlich gründlicher als jede Anstrich-Broschüre; die praktische Anwendung zeigt unsere Rubrik Malern & Wände.

Regelwerke: VOB, DIN und die anerkannten Regeln der Technik

Neben den Büchern stehen die Regelwerke selbst. Für Bauherren sind drei Ebenen wichtig:

RegelwerkBedeutung für Bauherren
VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen)Teil C enthält die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATV) je Gewerk – Grundlage für Ausschreibung, Ausführung und Abrechnung, inklusive Aufmaßregeln
DIN-NormenTechnische Festlegungen im Detail, etwa zur Abdichtung von Innenräumen – auf den jeweils aktuellen Ausgabestand achten
Fachregeln und Merkblätter der VerbändeKonkretisieren die Ausführung einzelner Gewerke und gelten vielfach als anerkannte Regeln der Technik

Normtexte selbst sind kostenpflichtig und für Laien oft sperrig – der praktische Weg führt über kommentierte Ausgaben und Fachbücher, die den Norminhalt einordnen. Wie eine solche Norm in der Praxis aussieht, zeigt exemplarisch der Beitrag Feuchträume fliesen zur Abdichtung im Bad.

Kaufkriterien für Fachliteratur

  • Auflage und Erscheinungsjahr: Fachbücher werden regelmäßig überarbeitet – immer die aktuelle Auflage wählen, besonders bei Regelwerksbezug.
  • Normstand: Im Impressum oder Vorwort steht, welchen Stand der Normen das Werk abbildet. Ist die zugrunde liegende Norm inzwischen ersetzt, veraltet auch der Kommentar dazu.
  • Zielgruppe prüfen: Lehrbücher der Ausbildung sind für engagierte Laien gut lesbar, Planerliteratur setzt mehr voraus – Leseprobe ansehen.
  • Gebrauchtkauf mit Bedacht: Bei zeitlosen Grundlagen unproblematisch und deutlich günstiger; bei allem mit Norm- und Rechtsbezug nur die jeweils aktuelle Ausgabe kaufen.
  • Bibliotheken nutzen: Teure Standardwerke lassen sich über Stadt- und Hochschulbibliotheken oder die Fernleihe erst einmal prüfen, bevor Geld fließt.

Praxistipp: Wer nur ein einziges Werk mit Regelwerksbezug anschafft, nimmt das zum eigenen Hauptgewerk – und liest darin vor allem die Abschnitte zu Untergrund, Toleranzen und Abrechnung. Genau dort entstehen die meisten Streitigkeiten zwischen Bauherren und Handwerkern, und wer die Aufmaßregeln kennt, prüft jede Rechnung mit anderen Augen. Wie sich Richtwerte und Preise einordnen lassen, zeigt der Beitrag Preise & Beispiele.